Wer sich in Deutschland für eine Pilotenlaufbahn bewirbt, kennt meist drei Buchstaben: DLR. Doch bei vielen europäischen Flugschulen und einigen Airlines heißt die Eignungsprüfung nicht DLR, sondern COMPASS. Es ist eine kürzere, computerbasierte Testbatterie aus denselben kognitiven Bausteinen: Auge-Hand-Koordination, Kopfrechnen, Gedächtnis und Multitasking, komprimiert auf eine einzige Sitzung. Dieser Leitfaden zeigt den berichteten Aufbau, die Erweiterung Advanced COMPASS und einen Vorbereitungsplan pro Testteil.
Was ist der COMPASS Test?
COMPASS steht für Computerized Pilot Aptitude Screening System und ist eine Testbatterie, die von EPST (European Pilot Selection and Training) entwickelt wurde. Flugschulen und Airlines in ganz Europa nutzen sie für die Auswahl von Anfängern (ab initio) und gelegentlich auch von erfahrenen Piloten. Die klassische Batterie läuft laut Kandidatenberichten etwa zwei bis drei Stunden am Computer, bei den Steueraufgaben häufig mit Sidestick und Pedalen.
Kandidaten berichten von einem Kern aus sechs Bereichen: Auge-Hand-Koordination in einer Nachführaufgabe, Kopfrechnen ohne Taschenrechner, Gedächtnis für Folgen, räumliche Orientierung anhand von Instrumenten, ein Multitasking-Block, der mehrere dieser Anforderungen gleichzeitig stellt, sowie je nach Betreiber ein technischer oder englischsprachiger Teil. Advanced COMPASS erweitert das System für späte Auswahlstufen um anspruchsvolleres Multitasking und logisches Denken.
Aviation Aptitude ist eine unabhängige Trainingsplattform ohne Verbindung zu EPST. EPST veröffentlicht keinen Testlehrplan; alle Angaben zu den Testteilen beruhen auf Kandidatenberichten, und der Herausgeber kann Inhalte jederzeit ändern.
COMPASS, DLR oder Interpersonal: welcher Test kommt auf Sie zu?
Diese Verwechslung kostet deutschsprachige Bewerber regelmäßig Vorbereitungszeit, denn die Verfahren sehen unterschiedlich aus:
- DLR: die mehrtägige Kampagne des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, eingesetzt von der Lufthansa Gruppe und weiteren Betreibern. Details im DLR Leitfaden.
- Interpersonal Hamburg (BQ und CQ Tests): das Verfahren, von dem Bewerber bei Betreibern wie Eurowings oder Condor berichten. Also ausdrücklich nicht DLR, auch wenn beide in Hamburg stattfinden können.
- COMPASS: verbreitet auf der Seite der Flugschulen und Akademien, oft schon beim Zugang zur Ausbildung, bevor überhaupt eine Airline ins Spiel kommt.
Praktisch heißt das: Prüfen Sie in der Einladung, wer testet, nicht nur wo getestet wird. Wenn in Ihren Unterlagen EPST oder COMPASS auftaucht, bereiten Sie sich auf eine kompakte Einzelsitzung vor, nicht auf eine DLR Kampagne mit Gruppenübungen.
Welche Fähigkeiten prüft COMPASS?
Die berichteten Testteile entsprechen direkt unserem Modulkatalog:
- Gedächtnis: kurze Folgen, die unter Zeitdruck gehalten und wiedergegeben werden
- Kopfrechnen: Geschwindigkeit, Distanz, Zeit und Umrechnungen ohne Hilfsmittel
- Räumliche Orientierung: Fluglage und Kurs aus Instrumentenanzeigen ablesen
- Aufmerksamkeit und Überwachung: Anzeigen auf Abweichungen absuchen
- Auge-Hand-Koordination: eine Nachführaufgabe mit Sidestick, mit kleinen, weichen Korrekturen
- Multitasking: mehrere der genannten Anforderungen gleichzeitig
- Logisches Denken, besonders in Advanced COMPASS: Zahlenreihen und abstrakte Aufgaben

So läuft der Testtag ab
COMPASS ist üblicherweise ein Termin an einer Akademie oder in einem Testzentrum, Teil für Teil mit kurzen Einweisungen dazwischen. Die Ergebnisse werden Kandidatenberichten zufolge an einer Bewerberpopulation normiert und als Profil über alle Teile ausgegeben, nicht als eine einzige Bestehensgrenze. Jede Schule setzt ihre eigene Hürde und kombiniert die Batterie meist mit einem Interview.
Genau hier liegt die Falle der Profilbewertung: Ein einzelnes schwaches Modul deckelt die ganze Akte, auch wenn der Durchschnitt stimmt. Ein Kandidat mit gleichmäßig gutem Profil schlägt den, der in der Nachführaufgabe brilliert und beim Gedächtnis einbricht. Dazu kommt die Kompaktheit: Innerhalb der Sitzung ist keine Zeit zum Aufwärmen, und die ersten Minuten eines Teils zählen genauso wie die letzten.
COMPASS gibt Ihnen keine Aufwärmrunde. Die Bewertung beginnt bei Aufgabe eins, Sie müssen also in jedem Format schon flüssig ankommen.
So bereiten Sie sich vor
Wer den COMPASS Test üben will, hat es leichter als bei vielen anderen Verfahren, denn die berichteten Formate sind stabil und einzeln trainierbar. In Deutschland ist strukturierte Vorbereitung ohnehin Standard, von Buchform über Trainingssoftware bis zu Online-Paketen. Entscheidend ist nicht, ob Sie üben, sondern in welcher Reihenfolge:
- Decken Sie zuerst alle Teile flach ab. Ein erster Durchgang durch jedes Format bringt mehr als Tiefe in zwei, weil die Profilbewertung Lücken am härtesten bestraft.
- Automatisieren Sie das Kopfrechnen. Das Niveau ist schulisch, das Tempo nicht. Tägliche Zehn-Minuten-Blöcke mit Zeitnahme verschieben diesen Teil stärker als alles andere.
- Fliegen Sie etwas, auch am Desktop. Die Nachführaufgabe belohnt kleine, weiche Korrekturen. Jede Stunde am Stick mit ruhigen Eingaben baut die richtige Gewohnheit auf, ein Flugsimulator genügt dafür.
- Trainieren Sie Instrumentenlesen als eigene Fähigkeit. Fluglage, Kurs und Höhe auf einen Blick erfassen: Der Orientierungsteil setzt dieses Vokabular voraus.
- Stapeln Sie Aufgaben vor dem Testtag. Rechnen, während eine Gedächtnisaufgabe wartet, oder überwachen, während Sie akustische Signale mitzählen. Im Multitasking-Block verlieren unvorbereitete Bewerber ihr Profil.
- Proben Sie die Sitzung im Ganzen. Eine durchgehende Mehrmodul-Sitzung pro Woche trainiert das Zeitgefühl, das eine komprimierte Batterie verlangt.
Wer sich parallel bei einem Betreiber mit DLR Auswahl bewirbt, trainiert übrigens doppelt sinnvoll: Die kognitiven Bausteine überschneiden sich weitgehend, nur Ablauf und Dauer unterscheiden sich.
Häufige Fehler
- Das Kopfrechnen für trivial halten und den Zeitdruck erst mitten im Teil bemerken.
- Die Nachführaufgabe perfektionieren und dabei Gedächtnis und Orientierung vernachlässigen, die genauso zählen.
- Nur einzeln üben und die Aufgaben erstmals im echten Multitasking-Block gestapelt erleben.
- Den Termin buchen, bevor eine einzige vollständige Probesitzung gelaufen ist.
- Material für den DLR Test durcharbeiten, obwohl die Einladung von EPST kommt, und umgekehrt.
Häufig gestellte Fragen
Kann man den COMPASS Test üben?
Ja. Die berichteten Formate, Kopfrechnen, Gedächtnisfolgen, Instrumentenorientierung, Überwachung und Multitasking, sind klassische Trainingsaufgaben, und Tempo entsteht durch Wiederholung unter Zeitnahme. Was Sie nicht üben können, sind die konkreten Aufgaben, denn EPST veröffentlicht sie nicht. Trainieren Sie deshalb die Formate und das Tempo, nicht Auswendiggelerntes.
Wie lange dauert der COMPASS Test?
Kandidaten berichten von einer einzigen Sitzung von etwa zwei bis drei Stunden, Teil für Teil mit kurzen Einweisungen und ohne Aufwärmrunden. Advanced COMPASS kommt in späteren Auswahlstufen zusätzlich hinzu und verlängert den Termin entsprechend.
Was ist der Unterschied zwischen COMPASS und dem DLR Test?
COMPASS ist eine kompakte Batterie von EPST, meist an einem Termin und überwiegend bei Flugschulen im Einsatz. Der DLR Test ist eine mehrtägige Kampagne in zwei Stufen, mit Gruppenübungen und Interviews in der zweiten Stufe. Die geprüften Fähigkeiten überschneiden sich stark, Umfang und Ablauf nicht.
Kann man einen Teil des COMPASS Tests verhauen und trotzdem bestehen?
Die Ergebnisse werden als Profil über alle Teile ausgegeben, und jede Schule setzt ihre eigene Hürde. Ein deutlich schwacher Teil kostet daher in der Regel mehr als ein insgesamt etwas niedrigerer Durchschnitt. Genau deshalb lohnt es sich, die Vorbereitung bei der eigenen Schwäche zu beginnen.
Jetzt kostenlos üben
Jeder oben genannte Testteil hat ein zeitgesteuertes Trainingsmodul in der Aviation Aptitude App, dazu eine kostenlose Diagnose, die Ihr Profil zeigt, bevor eine Flugschule es sieht. Level 1 jedes Moduls ist kostenlos, eine Kreditkarte ist nicht erforderlich. Beginnen Sie beim schwächsten Modul, und lesen Sie den DLR Leitfaden, wenn Ihre Bewerbung auch eine Airline-Auswahl umfasst.
Welche Batterie überhaupt auf Sie zukommt, hängt vom Arbeitgeber ab: der Vorbereitungsplan für Pilotentests ordnet COMPASS, PILAPT, die Aon cut-e Skalen und den ADAPT Test ein und zeigt, welche Wochen Sie wofür einplanen.